Interdisziplinärer Vortrag des Oberhessischen Geschichtsvereins
Über guten Besuch konnte sich Vorstandsmitglied Dr. Eva-Marie Felschow für den Vorstand des Oberhessischen Geschichtsverein im Netanyasaal des Alten Schlosses freuen. Viele Gäste waren gekommen , um einem interdisziplinären Vortrag über das im Archiv der Justus-Liebig-Universität befindliche Herbarium mit “reicher Beute” aus zwei Reisen nach Ceylon (heute Sri Lanka) von Adolf Hansen und Friedrich Rehnelt 1912 und 1914 zu lauschen. Die Referenten Dr. Joachim Hendel und Dr. Martin de Jong wechselten sich ab und sorgten für das nötige Hintergrundwissen aus Sicht des Historikers und Botanikers. Die von Felschow in der Begrüßung angesprochene Diskussion über die Rückgabe “kulturellen Raubgutes” spielte dabei keine Rolle. Hansen wurde von dem späteren Lehrstuhlinhaber Prof. Wulf Emmo Ankel bescheinigt, als einer der ersten Biologen “die Grenzen Europas” verlassen zu haben.
Natürlich waren die Gießener Forscher auf die Mitarbeit einheimischer Helfer angewiesen, wobei dem damaligen Zeitgeist entsprechend, der Umgang “nicht auf Augenhöhe” gewesen sei.”Es war ein Tag reicher Ausbeute gewesen”, ein Tagebucheintrag von 1912, und die Aussage von 1914 “Man kann nicht alles mitnehmen”, eine durch das Risiko eines Fehltritts im Gebirgsbereich hervorgerufene Erkenntnis kennzeichnen die Situation der “Sammler”.
Es stimme übrigens nicht, dass der Großteil der Ausbeute nicht bestimmt worden sei. Dies sei völlig unzutreffend, wobei hier mit Sicherheit auch indigene Helfer und in Ceylon arbeitende britische Forscher geholfen hätten. Besonders ertragreich mit jeweils über 100 gesammelten Teilen waren bei beiden Reisen Untersuchungen im Gebirgsbereich.
Von besonderem Interesse in dem mit reichem Bildmaterial illustrierten Vortrag war auch das weitere Schicksal des Hansen-Rehnelt-Herbariums .Ein großer Teil der Sammlung wurde Opfer der Bombennacht am Nikoloaustag 1944. Die Aufbewahrung eines Teils in der Privatwohnung Rehnelts “Am Trieb” blieb von der Vernichtung durch die Bombardierung verschont. Einen markanten Höhepunkt stellte, wie Dr. Hendel und Dr. de Jong betonten, eine ursprünglich vom 12. Juni bis 12. Juli 1914 geplante, dann verlängerte “Ceylon-Ausstellung” dar, die großen Anklang fand. Mit Kriegsende erlosch das Interesse für Jahrzehnte. Lange Jahre war die Sammlung ausgelagert nach Göttingen und kehrte erst 2012 zurück nach Gießen.
Verdienter Beifall für die beiden Referenten und das Interesse des Publikums belegten, dass auch über 100 Jahre später eine dann wohl “Sri Lanka” genannte Ausstellung ihren Reiz hätte. Dr. Hans-Wolfgang Steffek M.A.