Bürgermeister Bieber und Gemahlin

Aus dem Allendorfer Heimatmuseums

Obwohl die Entwicklung der Kommunen nicht mehr durch Anordnungen und Befehle eines Feudalherrn reglementiert wird, so wird sie auch heute noch ganz wesentlich von der Bundes- und Landesgesetzgebung beeinflusst.

Den Reformen des Freiherrn vom Stein folgte die Einführung einer neuen Gemeindeordnung im Jahre 1821 in Hessen, die auch in Allendorf wesentliche Veränderungen mit sich brachte. Der Gemeinderat, der nach der neuen Regelung von den Bürgern zu wählen war, amtierte neun Jahre. Die Besetzung der Bürgermeisterstelle bestimmte die vorgesetzte Behörde; die Gemeinde hatte jedoch ein Vorschlagsrecht. Das Amt des fürstlichen Beamten, des Rentmeisters, das um 1800 in ein Justizamt umgewandelt worden war, wurde nach der Einführung der Gemeindeordnung aufgelöst. Eine Einrichtung, die vier Jahrhunderte lang in Allendorf bestanden hatte, verschwand. Erst ab 1874 wählte die Bürgerschaft den Bürgermeister für eine Amtszeit von neun Jahren. Vor den Stein´schen Reformen wählte der Stadtrat nach einem alten Brauch den Bürgermeister jeweils im Monat Dezember; seine Amtszeit dauerte ein Jahr.

Über den ersten, von der Bürgerschaft gewählten Bürgermeister Wilhelm Friedrich Karl Bieber, der zuvor einige Jahre das Amt des Stadtrechners ausgeübt hatte, sind aufgrund seiner umfangreichen Aktivitäten in den Archiven viele Aufzeichnungen vorhanden. Seine Amtszeit dauerte insgesamt 16 Jahre, von 1874 bis 1890. Er ist auch der erste Bürgermeister, von dem ein Bildnis vorhanden ist. Sein Portrait und das seiner Gemahlin, beide in Öl, schmücken eine Wand im sogenannten Bürgerzimmer des Museums. Sein Wirken kann man mit den Schlagworten „Hebung der Landwirtschaft, Stärkung des Gemeinschaftssinns und Anbindung Allendorfs an das Schienennetz der Eisenbahn“ beschreiben.

Um die Einkünfte der Ackerbürger zu verbessern, gründete Bieber den Verein zur Förderung der Vogelsberger Viehzucht. Durch die Intensivierung der Märkte versuchte er den Bauern und dem örtlichen Handwerk neue Einnahmequellen zu erschließen. Er warb in den örtlichen und überörtlichen Zeitungen (bis in das Rhein-Main-Gebiet) für die Allendorfer Krämer- und Viehmärkte. Dadurch gelang es ihm, einige tausend Tiere auftreiben zu lassen. Um die Märkte interessant und anziehend zu machen, führte Bürgermeister Bieber eine Prämiierung und Verlosung von Vieh und landwirtschaftlichen Geräten ein. Es ist nachzulesen, dass im Jahre 1889 über 5000 Lose verkauft werden konnten. Der Hauptgewinner erhielt als Preis eine Kuh. Als weitere Gewinne folgten Schaflämmer, Schweine, Pflüge und anderes landwirtschaftliches Gerät. Der Gewinn aus der Verlosung war für die Hebung der Viehzucht und des Ackerbaues bestimmt.

Auf Bereiben Biebers organisierte sich in Allendorf im Jahre 1877 die erste Freiwillige Feuerwehr. Er verstand es, finanzielle Unterstützung für die Anschaffung von Geräten von überregionalen Stellen zu beschaffen.

Den bei weiten Kreisen der bäuerlichen Bevölkerung umstrittenen Bau der Eisenbahn trieb er mit besonderem Eifer voran. Bürgermeister Bieber verstarb während seiner zweiten Amtsperiode am 12. Januar 1890.

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Ölbildnis von Bürgermeister Wilhelm Friedrich Karl Bieber, geb. 1825 in Gießen, gestorben 12.1.1890, Bürgermeister von 1874 bis 1890 und seiner Gattin im Allendorfer Museum. Eine prachtvolle Bürgermeistergestalt, die in seiner Amtszeit viel bewegt hat.

Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)
Der Heimatverein hat auch museale Abteilungen, wie die große Blechspielzeugsammlund von Reinhold Gruninger. Es finden auch in normalen Zeiten Autorenlesungen statt